Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) berichtet im Rahmen der Marktbeobachtung regelmäßig über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den deutschen Güterverkehrsmarkt. Die Ergebnisse der telefonischen Befragung ausgewählter Unternehmen stellen eine qualifizierte Momentaufnahme der aktuellen Wirkungen der Krise auf die Transport- und Logistikbranche dar. Der aktuell vorliegende BAG-Sonderbericht KW 02/2021 berücksichtigt Erkenntnisse und Informationen, die bis zum 13. Januar 2021 vorlagen. 
 
Straßengüterverkehr 
 
Im Straßengüterverkehr tätige Unternehmen berichteten überwiegend von einer saisonüblichen bis guten Auftragslage – trotz der seit Mitte Dezember 2020 geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 und der hiermit verbundenen weitreichenden Einschränkungen im Einzelhandel und Dienstleistungsbereich sowie im Gastronomie-, Tourismus- und Eventbereich. Ebenfalls berichtete Verschlechterungen der Auftragslage wurden neben den Corona-Maßnahmen teilweise mit fehlenden Nachfrageimpulsen aus dem Weihnachtsgeschäft und saisonalen Nachfragerückgängen in einzelnen Segmenten begründet. Wiederkehrender Kritikpunkt ist gewerbeseitig das anhaltend niedrige Frachtenniveau. Die Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ist weiterhin hoch; bemängelt wird zudem eine fehlende Planungssicherheit. In der KEP-Branche profitieren befragte Unternehmen weiterhin von einer überdurchschnittlich hohen Beförderungsnachfrage im Privatkundenbereich. 
 
Im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland kam es vor Weihnachten 2020 zu erheblichen Störungen, da infolge einer festgestellten Mutation des SARS-CoV-2-Virus in Großbritannien zeitweise Fähr-, Eisenbahn- und damit Straßengüterverkehrsverbindungen zwischen Großbritannien und Frankreich gesperrt wurden. In der Folge zogen sich Güterkraftverkehrsunternehmen zum Teil aus dem Selbsteintritt im Großbritannienverkehr zurück; das Laderaumangebot in Richtung Großbritannien verknappte sich und es kam zu einer deutlichen Erhöhung der Frachtraten. Die Kapazitätsreduktionen und Ratensteigerungen im Großbritannienverkehr hielten zu Beginn des Jahres 2021 an – auch aufgrund von Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs. Ansonsten wurden im Rahmen der jüngsten Befragungen keine bedeutenden Einschränkungen im grenzüberschreitenden Verkehr aufgrund der geltenden Quarantäneverordnungen benannt. Herausforderungen entstehen für die Unternehmen aktuell im Zusammenhang mit Heimreisen von Fahrern sowie mit Erfordernissen der Kinderbetreuung seitens Beschäftigter angesichts aktueller Schließungen von Schulen und Kindergärten.
 
Der bereinigte Lkw-Maut-Fahrleistungsindex lag im Zeitraum vom 03.01.-09.01.2021 im Durchschnitt rund 0,5 Prozent oberhalb des Vorkrisenniveaus (Durchschnittswert im Zeitraum 01.01.2020-22.03.2020). Deutsche Lkw verzeichneten im Betrachtungszeitraum einen Rückgang in Höhe von 1,3 Prozent, gebietsfremde Lkw einen Anstieg um rund 0,8 Prozent. Das Niveau und die Veränderung gegenüber dem Vorkrisenniveau werden maßgeblich durch methodische Sondereffekte in den Wochen um Weihnachten und den Jahreswechsel bestimmt. 
 
Schienengüterverkehr 
 
Die Nachfrage nach Schienengüterverkehrsleistungen in Deutschland liegt nach Erkenntnissen des BAG aus Marktbeobachtungsgesprächen trotz gewisser Erholungstendenzen insgesamt weiterhin unterhalb des Niveaus der Vorpandemiezeit. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Verkehrsleistung im Zeitraum von Januar bis Oktober 2020 um rund 6,5 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Eine nachhaltige Verbesserung der Auftrags-, Ertrags- und Liquiditätssituation zeichnet sich nach Angaben der befragten Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland bislang nicht ab. Die Gefahr von Insolvenzen in der Branche wird aber im Allgemeinen eher als gering eingeschätzt. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Lage rechnen befragte Unternehmen mit großen Herausforderungen in den nächsten Wochen. 
 
Kombinierter Verkehr 
 
Im Kombinierten Verkehr bleibt die Nachfrage ebenfalls hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das Aufkommen an Containern und Wechselbehältern im unbegleiteten Kombinierten Verkehr im Zeitraum von Januar bis Oktober 2020 um rund 2,7 Prozent unter dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums; das Aufkommen an beförderten Sattelanhängern sank im Vergleichszeitraum um rund 3,8 Prozent. Auf fast allen Verbindungen des Kombinierten Verkehrs stehen freie Kapazitäten zur Verfügung. Wesentliche betriebliche Einschränkungen der KV-Terminals in Deutschland sind nicht bekannt.
 
Binnenschifffahrt 
 
In der Binnenschifffahrt tätige Unternehmen berichteten zuletzt bestenfalls von einer saisonüblichen Auftragslage; von einer guten aktuellen Auftragslage sprach kein befragtes Unternehmen. Saisonale Rückgänge der Transportnachfrage ab Mitte Dezember 2020 aufgrund der vielen Feiertage und urlaubsbedingter Schließungen von Produktionsstätten würden nach Unternehmensangaben durch die Auswirkungen der SARS-CoV-2-Pandemie zusätzlich verstärkt. Die Trockengüterschifffahrt leide u. a. unter einer geringen Nachfrage nach Beförderungen von Eisenerzen und Importkohle. In der Tankschifffahrt führten mögliche Vorzieheffekte aufgrund der Einführung der CO2-Abgabe ab 2021 und des Auslaufens der 
Mehrwertsteuersenkung zum 31.12.2020 zu steigenden Transportmengen von Benzin, Diesel und Heizöl. Die Nachfrage für Flugbenzin, Schweröl und Schmierstoffe blieb schwach. Die Containerbeförderungen wiesen nicht zuletzt aufgrund des Weihnachtsgeschäfts weitere Erholungstendenzen auf. 
 
Angesichts der Nachfragerückgänge besteht nach Unternehmensangaben insbesondere in der Trockengüterschifffahrt derzeit im Rhein-und Donaugebiet ein großer Überhang an Schiffsraum, der eine wirtschaftliche Auslastung der eigenen Binnenschiffe stark erschwere. Einige Unternehmen mussten für ihre Beschäftigten weiterhin Kurzarbeit beantragen. Um das Infektionsrisiko zu reduzieren, wird zumindest für Teile der Beschäftigten weiterhin das Instrumentarium der Heimarbeit genutzt. Generell kritisiert werden die bundesweit uneinheitlichen Regelungen zur Eindämmung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 sowie die fehlende Planungssicherheit, etwa bei der Einsatzplanung, die aus den häufigen Änderungen der Regelungen resultiere. 
 
Seeschifffahrt 
 
Nach Hamburg, Rotterdam und Antwerpen haben kürzlich die Bremischen Häfen ihr Umschlagsergebnis für die ersten drei Quartale 2020 veröffentlicht. Insgesamt sank der Seegüterumschlag in Bremen und Bremerhaven im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund 9,0 Prozent. Überproportionale Rückgänge waren beim Umschlag von trockenen Massengütern (-21,8 %) und Automobilen (-26,9 %) zu verzeichnen. Der Containerumschlag nahm um rund 6,9 Prozent ab. Insgesamt wurden in den ersten drei Quartalen 2020 in den deutschen Seehäfen rund 9,3 Prozent weniger Güter umgeschlagen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Nach Rückgängen in den Vormonaten nimmt der Seegüterumschlag seit Juli 2020 in der Tendenz absolut wieder zu. 
 
Die Erzeugerpreise für Güterbeförderungen in der See- und Küstenschifffahrt sanken im Vergleich zum jeweiligen Vorquartal im 2. Quartal 2020 insgesamt um rund 8,2 Prozent und im 3. Quartal 2020 noch einmal um rund 3,5 Prozent. Eine deutliche Erholung zeigt sich seit Juli 2020 in Bezug auf die Zeitcharterraten für Containerschiffe. Sie erreichten im Dezember 2020 ihren höchsten Wert seit Jahren. Die Umsätze in der See- und Küstenschifffahrt sanken im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal im 2. Quartal 2020 um rund 20,0 Prozent und im 3. Quartal 2020 um rund 18,8 Prozent. Auf Unternehmensebene variieren die Ergebnisausweisungen. Nach wie vor bleiben Seeleute teils unfreiwillig lange an Bord, da sie nicht an Land 
gehen dürfen, Rückflüge fehlen oder ihre Heimatstaaten sie nicht einreisen lassen.
 
Luftfracht 
 
Im November 2020 stieg das Luftfrachtaufkommen an den deutschen Flughäfen nach den Verkehrszahlen des Flughafenverbands ADV gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,5 Prozent. Dieser positive Trend setzt sich damit den dritten Monat in Folge fort. Im Jahresverlauf liegt die Cargo-Tonnage nur noch um minus 5,7 Prozent (4.154.215 Tonnen, an+ab) unter dem Vorjahr. Die Ausladungen fallen um minus 4,4 Prozent, die Einladungen um minus 6,9 Prozent. 
  
Detaillierte Aussagen und Grafiken enthält der Sonderbericht KW 02/2021 des BAG.

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