Berlin, 21. April 2017

Die Verhandlungen über eine gesonderte Entgelttarifierung von Speditionsmitarbeitern in der so genannten Produktionslogistik sind nach vier Verhandlungsrunden gescheitert. Die Arbeitgeberseite, vertreten durch den Deutschen Speditions- und Logistikverband (DSLV) und den Arbeitgeberverband Gesamtmetall, erklärten die Forderungen der IG Metall für nicht annehmbar. „Die Positionen liegen weit auseinander“, so Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV. „Mit ihren Forderungen dringt die Gewerkschaft zu tief in das logistische Kerngeschäft der Speditionen und Logistiker ein.“ 
 
Der wichtigste Streitpunkt zwischen den Arbeitgebervertretungen und der IG Metall liegt im räumlichen und sachlichen Geltungsbereich einer potentiellen tariflichen Rahmenregelung. Die Gewerkschaft macht ihre tarifliche Zuständigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette der Metall- und Elektroindustrie, einschließlich der Logistikdienstleister sämtlicher Zulieferbetriebe  geltend. „Mit ihrem Expansionskurs entfernt sich die IG Metall zu weit von ihrem ursprünglichen Ziel, equal pay-Forderungen allein für outgesourcte produktionsnahe Dienstleistungen der Automobilindustrie durchzusetzen“, bewertet Huster das Verhalten der Gewerkschaft. Die Forderungen der IG Metall gefährden nicht nur etablierte Kunden/Dienstleisterbeziehungen, sondern ganze Industriestandorte. Etablierte Prozesse der Arbeitsteilung zwischen Speditionen und ihren Auftraggebern müssten völlig neu bewertet werden. 
 
Es ist kein besonderes Merkmal des 21. Jahrhunderts, dass Industrieunternehmen Aufträge für Dienstleistungen wie Transport, Lagerung und Umschlag an Unternehmen der Speditions- und Logistikbranche vergeben. Werden logistische Zusatzleistungen wie Bewirtschaftung des Warenein- und -ausgangs, Kommissionierungs- und Sequenzierungstätigkeiten im Rahmen eines individualisierten Leistungspakets von bestimmter Dauer und Umfang erbracht, wird von Kontraktlogistik gesprochen. Was die Gewerkschaft aber eigentlich regeln will, ist eine besondere Ausprägung der Kontraktlogistik, nämlich die Produktionslogistik, also logistische Tätigkeiten, die die industrielle Produktion unmittelbar vorbereiten und unterstützen.
 
Die meisten Speditionen und Logistikdienstleister arbeiten für eine Vielzahl von Kunden aus unterschiedlichen Branchen. Tätigkeiten, die unter die Definition der Kontraktlogistik fallen, sind nur ein Teil der speditionellen Dienstleistungspalette, die Mitarbeiter werden im Speditionsbetrieb meist flexibel eingesetzt. „Wenn die IG Metall lediglich für einen Teil der Belegschaft in einem Betrieb andere Entgeltstrukturen und Arbeitszeiten durchsetzt, fördert sie exakt die „Tarifanarchie“, die sie vorgibt zu bekämpfen“, warnt Huster. „Der eine Staplerfahrer wird nach ver.di-Tarif bezahlt, der andere nach IG Metall-Tarif. Was sie unterscheidet, sind allein die Kunden, deren Güter und Produkte sie im Logistiklager bewegen.“ 
 
Kontraktlogistikverträge zwischen der Industrie und ihren Dienstleistern sind üblicherweise inhaltlich fixiert und zeitlich limitiert. Eine plötzliche Durchsetzung völlig anderer Entgeltstrukturen und Arbeitszeiten behindert die Planbarkeit größerer Logistikprojekte. Das Problem verbleibt allein bei der Spedition, denn die auftraggebende Industrie tut sich erfahrungsgemäß schwer, sich an gestiegenen Logistikkosten zu beteiligen. Läuft der befristete Kontrakt mit dem Auftraggeber aus, bleiben die tariflichen Bedingungen für den Logistikdienstleister unverändert. 
 
Der Vorwurf der IG Metall, die Beauftragung eines Logistikers begünstige Tarifflucht ist pauschal und sachlich nicht richtig. Hiermit wertet IG Metall die mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, dem traditionellen Tarif- und Sozialpartner der Spedition, vereinbarten Tarifabschlüsse systematisch ab. 
 
DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster weist deshalb auch den Vorwurf angeblichen Lohndumpings entschieden zurück. „Die in der Spedition gezahlten Entgelte sind mit Ver.di fair und gemeinschaftlich ausgehandelt. Wenn die IG Metall hier von Dumpinglöhnen spricht, diskreditiert sie nicht nur die etablierten Verhandlungen zwischen zwei Tarifpartnern, sondern in besonderer Weise die Fähigkeit von Ver.di, sich ausreichend um die Belange ihrer Mitglieder zu kümmern.“ 
 
 
Der DSLV:
 
Der DSLV vertritt als Spitzenorganisation die Speditions- und Logistikbranche sowie die Transportwirtschaft über alle Verkehrsträger hinweg (Straße, Schiene, See- und Binnenschifffahrt sowie Luftfracht), einschließlich der Organisation, Bereitstellung, Steuerung, Optimierung und Sicherung von Prozessen der Güterströme entlang der Lieferkette. Der DSLV repräsentiert über seine 16 Landesverbände etwa 3.000 Unternehmen mit mehr als 530.000 Beschäftigten.

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Politik und Kommunikation

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