Autor(en): Prof. Dr. Hartmut Oetker
Ausgabe: 3., 2013, XLII, 2247 Seiten, in Leinen
ISBN-Nr.: 978-3-406-64326-2
Verlag: C.H. Beck, München

Dieser einbändige HGB-Kommentar, der nunmehr in 3. Auflage erschienen ist, behandelt auf über 2100 Seiten das gesamte HGB einschließlich des Seehandelsrechts aus der Feder von insgesamt 19 Autoren. Das Buch nimmt für sich in Anspruch, die Erläuterungen an dem Gewicht der Probleme in der Praxis auszurichten, die Rechtsprechung umfassend auszuwerten und systematisch darzustellen sowie europarechtliche und internationale Überlagerungen des deutschen Rechts zu berücksichtigen. Dieses Konzept ist in seiner Grundstruktur sicher gut, stößt jedoch im Bereich des Gütertransportrechts, das hier allein wegen seiner Bedeutung für das Speditions- und Logistikgewerbe näher betrachtet werden soll, an seine Grenzen. Denn die strikte Beschränkung auf die Kommentierung der HGB-Vorschriften hilft dem in der Praxis tätigen „Transportrechtler“ bei der Lösung von fracht-, speditions- oder lagervertraglichen Fallgestaltungen häufig nicht weiter, da er zur rechtlichen Beurteilung zumeist auch auf die Kenntnis internationaler Übereinkommen zu den einzelnen Verkehrsträgern oder von weit verbreiteten Klauselwerken wie die ADSp angewiesen ist. Dass ein Abdruck oder gar eine Erläuterung dieser internationalen Übereinkommen oder verbreiteten Klauselwerke nicht in das Konzept der Kommentierung passt, ist noch nachvollziehbar. Dass bei der Kommentierung jedoch noch nicht einmal auf die entsprechenden Bestimmungen, zumindest der internationalen Übereinkommen hingewiesen wird, schränkt den praktischen Nutzen erheblich ein.

Positiv fällt auf, dass die maßgebliche Rechtsprechung – soweit ersichtlich – ausgewertet und für die Praxis aufbereitet wurde. Dies gilt jedoch nicht für die Auswertung der juristischen Fachbücher. Denn an der Kommentierung fällt auf, dass nur auf die Kommentierungen zum HGB und mit Ausnahme von Koller nicht auf die Spezialkommentare zum Transportrecht zurückgegriffen wird. Insofern fehlen häufig Hinweise auf weiterführende Erläuterungen.

Hervorzuheben und besonders anzuerkennen ist, dass dieser Handkommentar bereits die durch die Reform des Seehandelsrechts - auch im allgemeinen Transportrecht - eingetretenen Gesetzesänderungen berücksichtigt. Hier, so kurze Zeit nach dem Inkrafttreten, eine Kommentierung vorzulegen, ist eine bemerkenswerte Leistung. Aber auch hier hätte man sich an für die Praxis wichtigen Stellschrauben einige detailliertere Ausführungen gewünscht, so z.B. zu den geänderten §§ 449, 466 HGB bzw. zu § 512 HGB, also den Bestimmungen, die sich mit der Reichweite der Privatautonomie bei der Haftung für Schäden auseinandersetzen. Zu §§ 449, 466 HGB fehlen jegliche Hinweise, wie die geänderten Bestimmungen im Lichte der BGH-Rechtsprechung, deren Auswirkungen gemildert werden sollten, auszulegen sind. Auch die Erläuterungen zu § 512 HGB gehen letztendlich inhaltlich nicht über die Aussagen in den Gesetzesmaterialien hinaus, obwohl gerade die Diskussion um die Haftungsausschlüsse für nautisches Verschulden und Feuer an Bord das gesamte Gesetzgebungsverfahren dominiert haben.

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass Inhalt und Konzeption dieses Werkes sich im Bereich des Transportrechts eher an Einsteiger richten. Hier sollte bei einer zukünftigen Neuauflage zumindest Hinweise zu den entsprechenden Bestimmungen im internationalen Übereinkommen ausgenommen werden. Der auf das Transportrecht spezialisierte Jurist wird dagegen nicht auf die Spezialliteratur verzichten können, da in der Kommentierung aus konzeptionell nachvollziehbaren Gründen verkehrsträgerspezifische Fragestellungen und vom Gesetz abweichende oder diese konkretisierenden Klauselwerke nicht behandelt werden.

Preis: 195,00 €

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